# Optimierung des Speicherlayouts für Series und Records ## Motivation Der Kern einer jeden DSL für die Finanzanalyse ist die Verarbeitung enormer Mengen an Zeitreihendaten (Ticks, Kerzen, abgeleitete Indikatoren). Diese Daten fließen in Form von **Series**, **Streams** und **Pipes** durch das System. In der aktuellen Rust-Portierung basiert die Laufzeitumgebung (`VM`) vollständig auf dem `Value`-Enum: ```rust pub enum Value { Int(i64), Float(f64), Record(Arc, Rc>), // ... } ``` Auf einem 64-Bit-System hat dieses Enum durch Alignment und Tagging eine Größe von exakt **24 Bytes**. Jedes `Value::Int(42)` oder `Value::Float(3.14)` belegt somit das Dreifache an Speicher im Vergleich zu einem nativen 8-Byte Skalar. Für einzelne lokale Variablen ist das vernachlässigbar. Für Zeitreihen führt dieses Layout jedoch zu massiven Problemen: 1. **Cache Misses:** Arrays von 24-Byte-Strukturen zerstören die Cache-Lokalität, die für rechenintensive Indikatoren essentiell ist. 2. **Heap Allokationen:** Ein `Value::Record` erzeugt für seine Felder einen `Rc>`. Ein einfaches `push(series, { price: 100.0, volume: 10 })` würde aktuell jedes Mal eine Heap-Allokation für den Record auslösen. 3. **Pointer Chasing:** Das ständige Dereferenzieren von Rc/Arc-Pointern in engen Loops verhindert Vektorisierung (SIMD) auf CPU-Ebene. In der alten Delphi-Codebase wurde dies durch spezielle Code-Pfade für skalare Typen gelöst. In Rust können wir dank des `Specializers` und des statischen Typsystems einen noch effizienteren Weg gehen. ## Konzept: Data-Oriented Design & Struct of Arrays (SoA) Anstatt Series als einfache Listen von `Value`-Objekten zu implementieren, werden Series basierend auf ihrem statischen Typ spezialisiert. ### Skalare Serien Eine Serie von Float-Werten (`Series`) speichert intern keine `Value`s, sondern nutzt ein natives Array (z. B. einen Ringpuffer): `Vec`. ### Record Serien (SoA) Besonders bei Records zeigt sich die Stärke von SoA. Angenommen, wir haben einen Record `Tick { price: Float, volume: Int }`. Eine `RecordSeries` speichert **kein** Array von Structs (AoS), sondern spaltet die Felder in separate Arrays auf: ```rust // Konzeptionelles Layout struct TickSeries { prices: Vec, // Perfekt sequenziell im Cache volumes: Vec, } ``` Wenn ein Skript z. B. den gleitenden Durchschnitt über `prices` berechnet, liest die CPU einen dichten Block von `f64` direkt in den L1-Cache, ohne jemals das `volume` laden zu müssen. ## Integration in die Compiler-Pipeline Die Optimierung erfordert keine Änderungen an der Syntax der Skriptsprache. Der AST bleibt aus Sicht des Benutzers dynamisch, wird aber vom Compiler monomorphisiert ("Fast Paths"). ### 1. Das `Object` Trait Spezialisierte Serien (wie `FloatSeries` oder `TickSeries`) implementieren das bereits vorhandene `Object`-Trait. Dadurch können sie bei Bedarf in ein `Value::Object(Rc)` verpackt und dynamisch durch das System gereicht werden. ### 2. Node Fusion im Specializer Da der `Analyzer` den `StaticType` jeder Variable kennt, weiß der `Specializer` zur Compile-Zeit exakt, ob eine Variable eine generische Liste oder eine spezialisierte `FloatSeries` ist. **Beispiel: Element auslesen** `let p = my_series[0].price` Anstatt einen generischen `GetElement` und `GetField` Node zu erzeugen, verschmilzt ("fusioniert") der Specializer dies zu einem spezialisierten VM-Node: `ExecNode::GetSeriesRecordFieldFloat`. Zur Laufzeit führt dieser Node folgendes aus: 1. Holt die Serie via `downcast_ref` aus dem `Value::Object`. 2. Greift direkt auf `series.prices[0]` zu. 3. Boxed das Ergebnis *einmalig* in ein `Value::Float` (oder hält es auf dem Stack). **Beispiel: Werte pushen (Zero-Allocation)** `push(my_series, { price: 100.0, volume: 10 })` Der Specializer erkennt, dass der Record nur für den Push erzeugt wird. Er generiert einen `PushToRecordSeries`-Node. Dieser Node erzeugt niemals ein `Value::Record` auf dem Heap. Stattdessen liest er die Argumente als primitive `f64`/`i64` und schreibt sie direkt in die parallelen Arrays der `TickSeries`. ## Nächste Schritte 1. **Prototyping:** Implementierung der primitiven Ringpuffer (`RingBuffer`) und der basischen Serien-Strukturen für Skalare und Records. 2. **Specializer-Erweiterung:** Erkennung von Typmustern im AST und Generierung der Fast-Path-Knoten (`BoundKind`-Erweiterungen). 3. **VM-Integration:** Anpassung der Evaluierungs-Loop, um die spezialisierten Knoten auszuführen und via `Any::downcast_ref` sicher und performant in die nativen Strukturen zu greifen.